21.08.2010

Leserbrief aus dem Traunsteiner Tagblatt: "Argumente-Notstand in Sachen A8?"

Laut diesem Beitrag "sprachen sich die Urlauber für einen A8-Ausbau mit sechs Spuren aus". Zeitungsartikel dieser Art sollten allerdings eingerahmt und mit dem Vermerk "PR-Anzeige" versehen werden. Aufmerksame Leser haben ihn aber sicher auch so auf Anhieb als solche erkannt. Man muss jedenfalls nicht unbedingt ein engagierter Ausbau-Gegner sein, um einen inzwischen gravierenden Argumente-Notstand in dieser endlosen Diskussion festzustellen.

Wie könnte es sonst sein, dass zum Beispiel, wie in diesem Beitrag berichtet, Mitglieder der Projektgruppe "Ausbau A8" allen Ernstes an der Autobahnraststätte Hochfelln Süd, vermutlich während eines Sommerferien-Hauptreisewochenendes, Urlauber nach deren bevorzugter A8-Autobahnbreite für ihre komfortable Durchreise durch den Chiemgau und Rupertiwinkel befragen? Noch einmal: Es wurden ausschließlich Durchreisende befragt (weil unsere Urlauber dort ja keine Rast mehr machen) - und zwar einschüchternd repräsentative 30 Urlauber. Grund genug für Klaus Steiner MdL, davon gleich wieder die Notwendigkeit des inzwischen scheinbar immer mühsamer zu vermittelnden A8-Vollausbaus abzuleiten. Aber mal ehrlich: Wieviel objektives Interesse und Verständnis bringt wohl ein gestresster und ungeduldiger durchreisender Urlauber für die Verkehrssituation, Bevölkerung und Landschaft entlang der A8 auf, will er doch nur einmal im Jahr schnellstmöglich diese Gegend durchqueren, um sein Reiseziel viel weiter südlich oder nördlich zu erreichen? Eine "repräsentative" Umfrage der Vollausbau-Gegner, ausschließlich unter direkten A8-Anliegern, hätte wohl ein völlig anderes Ergebnis, aber exakt die gleiche Aussagekraft.

Die Verantwortlichen sollten, wenn überhaupt, lieber jene Urlauber nach ihrer Meinung befragen, deren Reiseziel tatsächlich Orte im Chiemgau und Rupertiwinkel sind. Also Leute, die hier ihre Ferien verbringen und entsprechend Geld in der Region lassen. Sie sollten aber tunlichst die Meinung der Menschen in der Region (A8-Ganzjahres-Anlieger und Benutzer) für wichtiger befinden, als die von 30 einmalig Durchreisenden. Die A8-Ausbau-Marketing-Strategen aller Parteien und Gruppierungen sollten aber vor allem die Bürger in der Region (Wahlkreis) mit Aktionen wie dieser nicht für dumm verkaufen, egal ob sie für oder gegen einen Ausbau sind - mit wie vielen Spuren auch immer. Kontroverse Diskussion ja, aber bitte sachlich und mit mehr Respekt vor dem mündigen Bürger.

Albert Hofmann, Siegsdorf



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