26.03.2016

"Weniger Flächenverbrauch, mehr Lärmschutz und ein generelles Tempolimit auf der A8 ..."

 

Tempolimit oder keine Beschränkung?

Zuvor verdeutlichte jedoch Marlis Neuhierl-Huber, der 1. Vorstand der Bürgerinitiative, die Folgen, die ein Ausbau der A8 zwischen Rosenheim und der Bundesgrenze nach sich ziehen könnte. Am Beispiel der A8-West, von München nach Augsburg, seien beunruhigende Entwicklungen zu beobachten. "Es muss jedem klar sein, dass wenn die Autobahn auf jeder Seite dreispurig mit Standstreifen ausgebaut wird, das Tempolimit wegfällt", so Neuhierl-Huber. Die Anwohner an der A8-West litten bereits jetzt unter den Folgen, wie zum Beispiel einem gestiegenen Lärmpegel: "Die haben sich einlullen lassen, die haben geschlafen. Sowas darf uns nicht passieren", so der 1. Vorstand der Initiative.

"Gesetzgebung ist so schizophren"

Dr. Ditmar Hunger, Verkehrsexperte aus Dresden, stellte anschließend die "eigentlich vorbildliche Lärmgesetzgebung" und die Verordnungen im Straßenbau gegenüber, "ein schizophrenes System."

So werde auf der einen Seite beim Neubau von Straßen darauf geachtet, dass sich der Lärmschutz im gesetzlichen Rahmen bewege. "Die Richtlinie sagt, dass hier 65 dB am Tag und 55 dB in der Nacht an Emissionen nicht überschritten werden dürfen", so Dr. Hunger. In Bayern gelten hier jedoch Ausnahmen. Im Freistaat dürfen es laut des Verkehrsexperten 2 dB mehr sein. Eine Steigerung um 3dB bedeute dabei bereits eine Verdoppelung der Lautstärke.

Auf der anderen Seite werde bei der Bestandssanierung kein zusätzlicher Lärmschutz aufgebaut. Aufgrund der mangelnden Standstreifen an der A8, sei das Tempo im Bereich auf 120 km/h reduziert. Laut Richtlinie könnte diese Beschränkung dann, beim Ausbau auf 4+2 Streifen wegfallen. Das Resultat: Mehr Lärm durch schneller fahrende Autos. Eine Tatsache, die in den Betrachtungen der Planer aber keine Berücksichtigung finde. Den zur Anwendung kommenden Prognosen werde stets eine Geschwindigkeit von 120 km/h zugrunde gelegt. Ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, so Dr. Hunger weiter.

Prognosen aus den 1990ern überholt und überzogen

Auch die Schätzungen der anderen Verkehrsexperten, was das Verkehrsaufkommen auf der A8 angeht, kann Dr. Ditmar Hunger nicht nachvollziehen. Ging man Anfang der 90er Jahre, nach der deutschen Wiedervereinigung, noch von einer langfristigen Steigerung der Autos auf den Straßen aus, sei bereits um die Jahrtausendwende eine Stabilisierung und Stagnation eingetreten. Aktuellere Prognosen, so Dr. Hunger weiter, gingen maximal von einer fünf-prozentigen Steigerung bis zum Jahr 2030 aus.

Kein Grund also, die heimische Autobahn groß zu erweitern. Lediglich an Steigung sollte über eine sogenannte "Kriechspur" nachgedacht werden. Ansonsten könne auch eine temporäre Öffnung der Standspur, nach Münchner Vorbild, den gewünschten Erfolg erzielen. Spitzen zu Urlaubs- und Ferienzeiten könnten so komfortabel abgefangen werden.

Ein weiterer Punkt, der der Bürgerinitiative und auch dem Verkehrsexperten sauer aufstößt, ist der Flächenverbrauch. In den Planungsunterlagen der zuständigen Autobahndirektion seinen "Schneisen mit Teilweise 80 bis 110 Metern Breite" erkennbar. Diesen Umstand führte Dr. Hunger auf gesetzliche Vorgaben zurück, die die Steigung auf Autobahnen und die Kurven-Radien reglementierten. Der tatsächliche Flächenverbrauch gehe also zum Teil weit über die wie bisher angenommenen rund 35 Meter in der Breite hinaus. Ein Unding und ein harter Schlag für die Tourismusregion nach Ansicht der Bürgerinitiative.

Wie können sich die Anwohner und Betroffenen wehren?

Der erste Bauabschnitt, von Rosenheim bis zum Bernauer Berg, könne nicht oder nur noch mit extremer Mühe verhindert werden, so Verkehrsexperte Dr. Ditmar Hunger abschließend. Anders jedoch der weitere Verlauf der Autobahn bis zur Staatsgrenze.In der kommenden Öffentlichkeitsbeteiligung zur Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans hätten die Bürger die Möglichkeit ihre Bedenken kund zu tun.

Sollten sich genug Menschen zusammenfinden, die das Projekt negativ bewerten, könne eine Herabstufung im Ranking erreicht werden, ergänzte Marlis Neuhierl-Huber. Ein Leitfaden zur Eingabe der Beschwerden soll dazu zeitnah vom BUND Naturschutz erarbeitet und zur Verfügung gestellt werden.

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